Der Besuch

Gestern war Familientag bei Zands und das hat eine Gedichtveröffentlichung erfolgreich verhindert 🥳. Aber glaubt jetzt ja nicht, dass Ihr drum herum kommt. Zumal es heute um Emmerichs liebe Familie geht … oder einen Teil davon. Also aufgemerkt und still gestanden: Mutti kommt! 😳

Der Besuch

Emmerich spirituell
liegt auf einem Bärenfell.
Nun gut, das Fell ... es ist nicht echt,
jedoch: Man liegt darauf nicht schlecht. 

Bekleidet nur mit Unterhose,
die am Bund schon etwas lose,
so liegt und meditiert er schlicht
über Leben und Gewicht.

Doch jäh zerreißt, was ihn nicht freut,
die Stimmung durch ein Sturmgeläut
und er steht mühsam auf und geht,
zu seh‘n, wer vor der Türe steht.

Seine Mutter! Wieso jetzt?
Emmerich wirkt ganz gehetzt.
Da strömt sie schon in seine Wohnung,
es gibt kein Mitleid, keine Schonung.

“Du hustest, lieber Emmerich,
der Staub hier ist nicht förderlich ...
und läufst fast nackt durch deine Räume.
Mein Schatz, ich glaube wohl, ich träume!
Was mich soeben noch bewegt:
Du hast ja sichtlich zugelegt!
Ach ja, hier bring ich einen Kuchen,
den musst du unbedingt versuchen.
Ach, deine Fenster, lieber Mann,
da muss mal wieder Wasser dran!
Das Bild dort drüben an der Wand
hängt schief, das hab ich gleich erkannt.
Zudem gehört zu deinen Pflichten
dein Bett auch wieder mal zu richten.
 Der Spiegel da ist richtig blind ...
hol mal nen Lappen, liebes Kind.
Auch deine Blumen könnten sprießen,
würd‘st du sie ab und zu begießen.
Die Decke auf dem Tisch ist fleckig
und deine Fensterbank ist dreckig.
Dein Ordnungssinn macht mich verrückt ...
nun iss doch mal ein Kuchenstück!
Der schmeckt dir sicher wundervoll ...
das Tischchen steht da auch nicht toll. 
Und wenn du umräumst, Emmerich:
Der Stoffbär, der ist fürchterlich!
Glaub mir, der Bär ist anatomisch
voll falsch, verbeult und guckt ganz komisch!
Wurd Dein Gefrierschrank, der betagte,
so abgetaut, wie ich es sagte?
Oh Emmi, meiner Lenden Glück,
komm, iss doch noch ein Kuchenstück. 
Ich lass dir noch zwei Stückchen da,
jetzt muss ich los! Mach‘s gut, Tada!“

Emmerich guckt etwas wirr
und schließt dann seine Wohnungstür. 
Als es ganz plötzlich wieder schellt,
zuckt er zusammen, unser Held.
Doch Gott sei Dank, es ist nur Maren,
die beste Freundin schon seit Jahren.

Nun sitzen sie bei einem Wein
im warmen gelben Lampenschein.
Da sagt sie (es ist gegen zehn):
“Ach Emmerich, hier ist es schön!
So gediegen und gemütlich,
wenn ich hier bin, bin ich friedlich. 
Ich komme gern aus diesem Grund ...
hast du da Buttercreme am Mund?“

So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein! Der Eine sieht nur das, was schlecht ist, der Andere konzentriert sich auf die schönen Dinge. Was ist besser? Spontan würde man wohl sagen, es ist besser, sich auf Positives zu konzentrieren. Aber wer nur das Schöne sieht, kann das Schlechte nicht zum Guten verändern. Da ist wohl eine gesunde Mischung aus beiden Sichtweisen angebracht 😇😈.

Am nächsten Sonntag wird es mal wieder etwas knackiger und kürzer! Es geht um ein Karussell, in dem jeder von uns gratis mitfahren darf. Aber das ist gar nicht so beliebt, wie man vielleicht denken könnte … … hihi … Karussell und denken … was für eine unglaubliche wortklauberische Meisterleistung 😉.

6 Gedanken zu “Der Besuch

  1. Marion 2. Mai 2019 / 18:41

    Du hast tolle Worte gefunden, die ohne Schnickschnack, sondern auf den Punkt rüber bringen, was ich so auch schon von anderen Söhnen mit ihren Müttern mitbekommen habe und es gar nicht lustig finde.

    Wobei… ich nicht ganz sicher bin, welchen Teil ähnlicher Muster ich selbst noch meinem Sohn gegenüber aktiv habe. Sagen wir, da ist in den letzten Jahren ziemlich viel passiert, beidseitig.

    Dein Gedicht ist jedenfalls angetan sich das anzuschauen, von allen Seiten 😉

    Wie schön, dass du die wirklich ganz andere Wahrnehmung ebenso eingebracht hast. Jemand, der nur das Positive sieht und sich wohl fühlt. Dabei entspannt man doch gleich ganz anders, nicht wahr?

    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    • Fjal 3. Mai 2019 / 18:07

      Moin Marion,
      Danke für Deine Worte. Aber: Das ist nicht nur bei Männern und Müttern so. Bei Frauen und Müttern kenne ich Ähnliches. Man bleibt immer Kind, egal wie alt man ist. Doch ab einem gewissen Alter (z. B. Emmerichs Alter 😉) IST das lustig … irgendwie. 😁

      Gefällt 1 Person

      • Marion 3. Mai 2019 / 19:27

        Das klingt gut! Wenns irgendwie lustig wahrgenommen werden kann, ist genug innerer Abstand dazu da, nehme ich an.
        Ja du hast recht, auch bei Frauen und Müttern gibt es das. Es gibt Mütter, die das auch so sagen: „Mein Kind bleibt immer mein Kind.“ Ich hab mich mal innerlich echauffiert, als meine Tante sowas sagte.
        Letztendlich hab ich mich dabei ertappt, dass ich meine eigenen beiden Kinder (m + w) auf eine Weise ähnlich behandelte, auch wenn mir das zunächst nicht bewusst gewesen war. Auch die Mutterrolle will los gelassen werden und ich gebe zu, das ist gar nicht immer so einfach. Vor allem, wenn man den Eindruck hat, die Kinder finden ihren Weg nicht so recht. Aber die Perspektive kann so oder so sein, wie dein Beitrag so schön zeigt.

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  2. Tief im Wald ist Alles anders 3. Mai 2019 / 21:19

    Mütter und Freunde – eine vortrefflich amüsante Retrospektive. Es kommt mir seltsam vertraut vor. Es geht mir da wie Emmerich – nicht immer – sicherlich 🙂
    Mutter kam mich nicht mehr so oft besuchen, nachdem ich sie bat, doch aufzuräumen, was sie stört, während ich in der Zeit einen Spaziergang mache 😉

    Gefällt 1 Person

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