Der Teddybär

Jeder hätte gerne ein Hobby, das ihn ausfüllt und das ein wundervoller Ausgleich zum meist stressigen Alltag ist. Bei manchem artet allerdings allein die Suche nach einem solchen Hobby in puren Stress aus. Da kann man schonmal Alpträume bekommen 😬

Der Teddybär

Unser guter Emmerich 
ist täglich voll berufstätich. 
Sein Job ist zwar nicht wirklich toll,
doch er macht den Kühlschrank voll.

Nach Arbeit will er nur noch Pause
und kommt er abends dann nach Hause
sieht man ihn auf das Sofa fallen
um sich mit YouTube vollzuknallen. 

Statt für sich selber was zu finden
und so sein Können zu ergründen
bestaunt er all die Wundersachen,
die andre Leute da so machen. 

Ein Typ dort häkelt kleine Kühe
und Emmerich macht sich die Mühe,
besorgt sich Wolle und auch Nadeln
und beginnt draufloszufadeln. 

Doch will das Ganze nicht so gehen,
wie Emmerich es vorgesehen. 
Nach zehn Minuten Häkelpein
lässt man dies Hobby lieber sein. 

Doch schaut euch mal das Mädchen an,
wie wundervoll sie zeichnen kann!
“Na also“, denkt sich Emmerich,
“das wär doch wirklich was für mich!“

Er kauft sich Stifte und Papier
und nimmt die Kunst in sein Visier.
Nach einer Stunde ist’s soweit,
da merkt er prompt: Ihm fehlt die Zeit.

Im Liegen ist ein schönes Veilchen
nicht wirklich einfach hinzuzeichnen
und wenn der Blick an YouTube hängt,
dann ist man auch noch abgelenkt.

Das Interesse brannte klar,
jetzt liegt nur noch die Asche da. 
Nach einer Stunde Zeichenpein
lässt man dies Hobby lieber sein. 

Dann erwacht erneut Begehren,
die Drag Queen dort näht Teddybären 🧸 -
und man bestellt in kurzer Frist
was immer dazu nötig ist.

Nach ein, zwei Tagen merkt man dann,
dass man nicht wirklich nähen kann.
Was rauskommt, das ist anatomisch
voll falsch, verbeult und guckt ganz komisch. 

Und schaut man auf die Künstlerhände,
dann sprechen Fingerpflaster Bände.
Nach Tagen voller Bärenpein
lässt man dies Hobby lieber sein. 

Geht Emmerich mal durch sein Haus,
sieht’s dort wie auf nem Flohmarkt aus. 
Neben Näh- und Zeichensachen
gibt’s Häkelzeug und Fernlenkdrachen. 

Spielkonsolen für den Spaß,
Film- und Fotokameras,
ein Trampolin, ne Staffelei,
ein kleiner Webstuhl, der entzwei. 

Im Keller fand die Töpferscheibe
schon vor zwei Jahren ihre Bleibe,
das Profiwerkzeug (Edelstahl!)
liegt gleich darunter im Regal.

“Ideen aus Salzteig“ heißt das Set,
das unten drin im Schuhschrank steht,
wo übrigens auch grad akut
“Spaß mit Wäscheklammern“ ruht. 

...

Ein Schrei zerreißt die dunkle Nacht,
Emmerich ist jäh erwacht!
Ein Alptraum: Nackt am ganzen Leibe
sitzt er auf ner Töpferscheibe. 
Festgeklebt auf diesem Teller
dreht er sich schnellundimmerschneller
während tausend Häkelnadeln
auf Hollandrädern um ihn radeln.
Sie bewerfen ihn gemein
mit Salzteigkugeln, heiß und klein. 

Halbe Wäscheklammern tanzen
und infernalisch zu dem Ganzen
ein alter Webstuhl musiziert
von einem Teddy dirigiert,
der missgestaltet und verbeult
ächzt und stöhnt und schaurig heult. 

Er blickt in Emm‘richs starre Augen,
beginnt ihn schmatzend auszusaugen
und Emmerich im Traumverlauf 
wacht an der Stelle schreiend auf. 

...

Am nächsten Tag, da sieht man ihn
mit seinem Auto westwärts ziehn. 
Er bringt neun Kisten, groß und klein
als Spende in ein Kinderheim. 

Er schaut nicht so viel YouTube mehr,
doch seinen Beulenteddybär
den hat er, wie noch heut‘ zu zu seh‘n
als Mahnung auf dem Sofa steh‘n. 

Zuletzt hat unser großer Held
ein Notizbuch sich bestellt. 
Als Resultat von der Geschichte
schreibt er jetzt alberne Gedichte. 

Meine Güte, was für ein Marathon! Ich danke jedem von Herzen, der tatsächlich dieses ganze Werk gelesen hat. Mir persönlich raucht jetzt ein wenig der Zeigefinger, weil ich auf einem Pad im Ein-Finger-Suchsystem schreibe 👈👆👉👇😀.

Okay … was machen wir nächsten Sonntag? Ich weiß es noch nicht. Aber irgendwas wird hier schon erscheinen! Vielleicht geht es ja um einen Schokopenis … obwohl … nein … ich glaub, das machen wir ein anderes Mal 😜

5 Gedanken zu “Der Teddybär

  1. ...der Berliner 14. April 2019 / 11:37

    Bei so viel Wort in Reim und Glied,
    da hätte ich so meine Müh´ !
    Nicht nur die Finger wären wund,
    nein auch im Kopf ging alles rund,

    So bleibe ich bei wenig Zeilen –
    lehn´ mich zurück und lass´ Dich schreiben 🤣🤣 !

    G. l. G. Jochen

    Gefällt 1 Person

    • Fjal 15. April 2019 / 22:01

      Ich freu mich, dass Dir das gefällt
      was ich hier habe eingestellt.
      Die Zeilen, die Du hier so schreibst,
      die freu’n mich sehr, ich hoff‘, Du bleibst ✌️🤩

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  2. Marion 2. Mai 2019 / 18:46

    Das ist genial, was du schreibst. Die Poesie lass ich im Moment gern bei dir. Du vermagst dich damit herrlich auszudrücken.
    Schade um Wäscheklammern, Töpfergefäße und weitere Teddybären, aber man kann nun mal nicht alles können. Hauptsache es ist etwas gefunden, das so recht will fließen aus einem. Das lässt sich schmunzelnd lesen 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Fjal 3. Mai 2019 / 18:17

      Ich freu mich unglaublich, dass Dir dieses Gedicht gefallen hat. Es entstand, als ich meinen Keller ausräumte. Da gab es tatsächlich ein Spaß-mit-Wäscheklammern-Set. Als ich es fand, musste ich so sehr lachen, dass ich mich auf den Fußboden setzen musste. Meine Güte, gut, dass mich bei diesem hysterischen Ausbruch keiner beobachtet hat 🤪

      Gefällt 1 Person

      • Marion 3. Mai 2019 / 19:32

        Haha, das ist herrlich, ich seh die Szene lebhaft vor meinem inneren Auge. Das ist echt toll, wenn man sich selbst mit Abstand so wahrnehmen und darüber lachen kann.

        Ich bin letzte Woche umgezogen und heute habe ich den Keller aufgeräumt. Was soll ich sagen… Es gibt da neben diversestem Bastelmaterial, das schön in Regale sortiert wurde, weil man es ja jederzeit brauchen könnte 😉 auch noch eine Kiste, die nun schon den dritten Umzug mitgemacht hat, ohne je ausgeräumt zu werden. Sie beinhaltet eigene Werke, die ich mal in einem Dawanda-Shop angeboten habe. Den Shop gibt es nicht mehr, die Plattform wurde letztes Jahr eingestampft. Und nun kann ich mich immer noch nicht entscheiden, was ich damit machen soll. Also diese Kiste habe ich auch heute noch nicht angerührt. Irgendwann ist der Zeitpunkt sicher gekommen, wo ich genug Abstand habe, dass es auch nichts mehr ausmacht, wenn die Entscheidung fällt: Wech damit…

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